Surrounded by glaciers

„die verstehen unser Grabräuberenglisch ja eh nicht!“

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Lange nichts mehr von uns gehört? Das ist immer ein gutes Zeichen! Viel Natur und wenig Bedürfnis nach Internet sind der Grund. Was haben wir also die letzten zwei Wochen getrieben?
Nachdem wir zwei Tage lang die längste Welle der Welt gesurft sind, verließen wir den Küstenort und fuhren zu unserem nächsten Ziel: Der Cordillera Blanca (Weiße Gebirgskette).  Dafür ging es zunächst noch einige Straßenkilometer durch die Küstenregion nach Süden. Aufgrund von aufsteigenden Wolken, Berghängen und anderen Wetterphänomenen ist die Küste Perus eine einzige Wüste. Hier regnet es sehr selten, sodass man zwar angenehme Temperaturen hat, aber auch eine der trockensten Regionen des Landes. Dazu kommt, dass der Müll ohne Vegetation immer sehr ersichtlich ist – genau wie die Armut der Menschen, die in diesen Regionen leben. Provisorische Stockhütten und zerfallene Mauern säumen hier die Straße. Durch diese Regionen zu fahren, stimmt nachdenklich, gerade wenn 10 Meter weiter hinter einer strahlend weißen Mauer das große Resort für die Reichen und Schönen Perus beginnt. Noch immer sind Spuren des letzten großen Erdbebens zu sehen und das ein oder andere Mal mussten wir eine halbe bis drei Stunden warten um die Umgehungsstraße für eine weggespülte Brücke fahren zu können.


Irgendwann bogen wir dann Richtung Inland ab und es wurde gerölliger, steiniger und steiler. Kilometerlange Straßen durch Wüstencanyons mit schroffen Steilwänden und vielen Wasserfällen prägten das Bild. Nach zwei Tagen kamen wir zum Eingang des Nationalparks, doch entschieden uns noch ein bisschen an einer nahegelegenen Lagune zu campen, die laut Aussagen eines Locals den höchsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen verbuchte. Dementsprechend war es keine Überraschung, dass unsere Zufahrt mehr einem Fluss als einem Weg ähnelte. Dank unserer neuen X-Terrain-bil-Reifen wühlten wir uns aber mühelos bis zu unserem einsamen Traumspot. So traumhaft, dass wir gleich zwei Tage blieben. Eine Wanderung um die Lagune, mit obligatorischem Wir-drehen-auf-keinen-fall-um-sondern-gehen-querfeldein-Moment, einem Lagunenbad, die Besichtigung der umliegenden Hügelgräber und morgendlicher Grabdräuberaktionen ließen die Zeit wie im Flug vergehen. Das alles auf 3500m – diesmal aber ohne Komplikationen.

Danach ging es in den Nationalpark hinein. Eine Art gigantischer Canyon, mit Hochebenen, 28 Spitzkehren hintereinander und vielen, vielen Gletschern. Wir fuhren auf bis 4800 Meter über einen Pass um dann zu testen, wie schnell unserer linker Vorderreifen (keine Angst – kein X-Terrain-Reifen) Luft verlieren kann. Bei nicht unbedingt lauschigem Wetter durften wir unseren schon zwei Mal geflickten Ersatzreifen austauschen. Daraufhin fuhren wir nur noch ein Stückchen weiter um keinen weiteren Platten zu riskieren und campten auf 4500 Metern – wieder ohne Probleme. 75 Km unbefestigte Geröllpiste an einem Tag reichen dann auch.  Am nächsten Tag bauten wir uns aus den umliegenden Steinen und Kieseln eine neue Straße, da es doch nicht so einfach war unseren Spot zu verlassen. Wir fuhren den Weg den wir gekommen waren zurück und wurden mit traumhaften Ausblicken belohnt. Diese Strecke doppelt zu fahren, tat alles andere als weh. Die Bilder sprechen hier aber mehr als Worte.

Raus aus dem Nationalpark und wohin dann? Nochmal zu dem schönen Lagunenplatz? Na klar! So verbrachten wir noch einen Tag an dem uns bekannten Spot, bevor es entlang der Cordillera Blanca nach Süden und am ihrem Ende wieder Richtung Küste/Lima gehen sollte. Das Wetter war so wunderschön, dass wir uns sehr schwer taten viele Kilometer an einem Tag zu schaffen. Eine „Bergbesteigung“ zeigte uns dann noch einmal, dass viel Kaffee und fettiges Essen einer Höhenakklimatisation nur zur Gute kommen. So kann es weiter gehen.

Peru zeigt gerade abseits der Küste auf den vielen Bergstraßen und Tälern sein wahres Können. Es punktet nicht wie Kolumbien mit coolem und angesagten Actionprogramm oder spannender junger Vergangenheit, sondern mit unglaublichen Landschaften, die teilweise wie aus einer anderen Welt wirken. Hinter jedem Bergpass wartet ein anderes Bild. Mal sind es schroffe Felsen, dann grüne Täler, karge Hochebenen mit Vicunas, Pinienwälder oder von kleinen Steinmauern und gelben Blumen übersähte Hänge. Die Vielfalt und Größe machen dieses Land sehr besonders. Und dabei fehlt uns noch der ganze hippe Süden.

Lima wollten wir einfach überspringen und es wurde uns sehr einfach gemacht. Ein großer Highway ließ den gesamten Raum Lima in ca. zwei Stunden vorbeirauschen. So konnten wir bis auf einen Abstecher bei Tottus, unserem neuen Lieblingssupermarkt (wie Kaufland/Famila/Real), abends schon am Playa de Azul nächtigen und ein wenig Surfen (mit vorbeischwimmenden Delphinen). Wir kochten uns eine leckere Suppe und ließen den Abend mit köstlichem Wein ausklingen.

Da wir in Peru bis jetzt noch keine romantischen Wüstenerfahrungen gemacht hatten, entschlossen wir uns, zu einem Nationalpark auf einer Halbinsel zu fahren, der quasi nur aus einer Wüste besteht. Irgendwie wollte keiner von uns Eintritt kassieren, sodass wir drei Tagen umsonst dort verbringen konnten. Der Nationalpark war nicht nur landschaftlich sehr schön, sondern auch ein klasse Fahrerlebnis. Nachdem wir den auf Maps.me eingezeichneten Weg nicht finden konnten, fuhren wir einfach drauf los und der Untergrund stellte sich perfekt zum Befahren heraus. So konnten wir eine knappe Stunde unseren eigenen Weg durch die Wüste finden und unsere eigenen Spuren hinterlassen. Flora und Fauna dürften hiermit keine Probleme gehabt haben. Am Ende unseres Wüstentracks parkten wir das Auto an den Klippen einer sonnengetränkten Bucht und schlugen unser Lager auf. Von hier aus konnten wir auch die Inseln sehen, die gerne als „Galapagos Inseln des kleinen Mannes“ bezeichnet werden. Auf ihnen kann man Seelöwen, Pinguine und viele Vögel beobachten. Wir sparten uns das Turiprogramm und genossen die Einsamkeit, den Blick auf am Strand angelnde Fischer und hohe Sanddünen. Am Strand sammelten wir Fischknochen, sahen eine Schildkröte, eine Robbe und am Parkeingang Flamingos. Kulinarisch fröhnten wir uns weiter an den Knoblauchnudeln (Aglio y Olio), die seit Peru unser ständiger Begleiter sind. Die Menge Knoblauch nimmt von Mahl zu Mahl zu. KNOBLAUCH-NUDELN!

Nach dem Nationalpark warteten 900km Straße bis Cuzco auf uns. Diese waren sehr gut ausgebaut und wir überquerten zwei Pässe von 4500m Höhe. Begleitet wurden wir wieder einmal von Vicunas und atemberaubenden Sternenkulissen. Aufgeteilt auf dreieinhalb Tage war es sehr entspannend diese Strecke zu fahren. Zwischenzeitlich haben wir uns auch die Haare in einem schönen Fluss gewaschen. Wir fühlten uns noch nie so frisch. KNOBLAUCH-NUDELN!

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Murphy

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Hoch, höher, aber was ist mit der Höhe?

„du kannst mir dann in so 2000 Kalorien joinen!“

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Von der Küste Ecuadors fuhren Murphy und ich auf direktestem Wege landeinwärts, was uns zwangläufig wieder zurück in die Anden führte. Es war vielleicht nicht unbedingt ratsam, die Schlafhöhe innerhalb eines Tages von Null auf 3800 Höhenmeter zu verlegen, jedenfalls habe ich in dieser Nacht nicht sonderlich viel geschlafen, das bereits bekannte Gefühl, Ersticken zu müssen ließ sich leider nicht wirklich effektiv aus meinem Kopf verdrängen!
Der nächste Tag und die geplante Wanderung um die Laguna Quilotoa machten dann aber alles wieder wett. Wir waren beide gut am Schnaufen, denn es ging entlang des Vulkankraters auf teils schmalsten Pfaden munter auf und ab (wie gesagt, Höhe, Akklimatisation und so) und die Aussicht bei schönstem Wetter war grandios.

Abends fanden wir Unterschlupf im Cloudforest – Hostel, in dem wir viele andere Backpacker fanden und einen netten geselligen Abend verbrachten. Am nächsten Tag fuhren wir weiter auf dem Quilotoa – Loop und konnten an vielen Stellen die Konsequenzen der heftigen Regenfälle begutachten: Unterspülte Straßen, verschüttete Wege und eingebrochene Brücken. Einmal mussten wir eine ganze Zeit warten, bis vor uns ein Stück notdürftig repariert wurde, oft ging es nur mit Schwung durch matschige Alternativstrecken.

Vulkan Cotopaxi. Am Eingang des Nationalparks wurden ledeglich unsere Personalien notiert, uns eine schöne Karte in die Hand gedrückt und dann konnten wir schon los. Sehr sympathisch die Parks in Ecuador. Kein Eintritt, man kann so lange bleiben wie man will, rumfahren und laufen wo man will und alles ist dazu noch super in Schuss.
Wir fanden einen traumhaften Campspot unter ein paar Nadelbäumen mitten in der alpinen Steppe auf angenehmen 3500 m.

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Für den Rest des Tages starteten wir zu einem kleinen „Akklimatisierungsgang“. Einmal um die Lagune und gut, sollte als Vorbereitung für den nächsten Tag perfekt sein, ohne uns zu sehr auszupowern – soweit die Theorie. Unser „Rundweg“ hätte uns, so er denn einer ist, frühestens in ein paar Tagen wieder zum Ausgangspunkt geführt und um die Lagune ging er schon garnicht. Im dichten Wolkennebel, konnten wir das aber alles nicht so wirklich sehen und marschierten fröhlich drauf los. Irgendwann, als uns dann auffiel, dass die Richtung in die sich der Weg zog so garnicht stimmte, beschlossen wir entgegen der „Schande“ umzukehren eine „Abkürzung“ querfeldein zu finden. Von oben sah das alles ganz einfach und schlüssig aus.
Ich mache es kurz, wir quälten uns erstmal lange durch Bauchhohe Büsche, Sträucher und Kakteen, bis wir unten an einen zunächst unüberwindbaren Canyon mit einem ziemlich rauen Fluss gelangten. Wir probierten es immer wieder in kletterten, die teilweise senkrechte Wand mit Hilfe von Gräsern mehrfach runter und wieder hoch.
Aus dem Canyon wurden zwei und dazu fing es auchnoch an zu regnen. Nach Stunden der Quälerei und einem erfolgreich-waghalsigen Versuch über den Fluss zu kommen erreichten wir komplett! durchnässt unser Auto. Schlafsack. Bett, mehr war nicht drin.


Mehr wollte der Cotopaxi leider nicht von sich preisgeben:
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Am nächsten Tag fuhren wir bis zum Ende der fahrbaren Piste auf 4500 m, der kurz zuvor begonnene Schneefall machte den Weg aus Vulkanasche besonders glischig und so rutschten wir halb seitlich in die vom Berg beschlossene Parkposition. Alles gut, ab hier wollten wir ja eh zu Fuß weiter.
Der kurze Aufstieg zum Basecamp hätte ein richtig schöner Schneespaziergang werden können, denn offensichtlich waren wir jetzt viel besser an die Höhe gewöhnt. Dazu kamen leider komplett durchnässte Klamotten und Schuhe und die Tatsache, dass wir so früh hochgegangen waren, dass niemand an der Hütte war und den von uns begehrten heißen Kakao verkaufen wollte… Tja, Pech also kurzes Foto und wieder nach unten. Für Gipfelbesteigungen ist der Cotopaxi derzeit leider gesperrt.

Weiter gings in Richtung Süden. In Latacunga gönnten wir Optimus Primetime einen Satz neue Hinterreifen im Rückblich auf unser Abenteuer im Flussbett und die bevorstehenden Strecken.
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Von dortaus ging es nach Banos, einem kleinen Bergdorf. Wir besichtigten den „Teufels-Wasserfall“ und campten die Nacht bei, große Überraschung, deutschen Aussteigern, die sich in der Nähe von Banos eine unglaublich schöne Pension gebaut haben.

Nächstes Ziel: der Vulkan Chimborazo. Fun Fact: der Berg gilt als eigentlich höchster Berg der Welt, da er durch seine nahe äquatoriale Lage und seine Höhe von 6268 m am weiteten vom Erdmittelpunkt entfernt ist. (sollte man allen Everest-Besteigern unter die Nase reiben 😉 )

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Wir suchten uns einen Spot zum Campen auf 4300 m, da wir dachten ausreichend akklimatisiert zu sein. Irgendwas lief dann aber völlig schief, entweder war es die Höhe, die Kälte ( -2 Grad, 40 km/h Wind) etwas falsches gegessen oder alles zusammen. Jedenfalls ging es uns beiden abwechselnd richtig dreckig. Am nächsten Tag setzten wir zu einem Akklimatisierungsgang an und drehten ziemlich schnell um, weil einfach ALLES extrem anstrengend war. Wir verbrachten eine zweite Nacht an dem Ort, in der Hoffnung, dass Zeit unsere Probleme beheben könnte und trafen nette französische Radfahrer, die uns mit warmen Tee versorgten (immer noch kein Gas zum Kochen im Bus 😦 )
Als am nächsten Morgen nach 2 Nächten und fast 3 Tagen auf 4300 m immer noch keine Besserung in Sicht war, mussten wir einfach in tiefere Gefilde.  Wir fuhren noch mit unserem Auto zum Basecamp auf 4800 m, welches im Gegensatz zu uns anscheinend keine Höhenprobleme hat, genossen einen fantastischen Blick auf den Schneebedeckten Chimborazo und machten uns auf den Weg nach unten.

Wichtig: beim Gruppenfoto, nicht vom Stein fallen…
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Bei alledem war es natürlich dennoch eine tolle Zeit, zwar müssen wir einen 6-Tausender ziehen lassen aber wir haben zwei Nächte in einer einzigartigen Umgebung gecampt, hatten tolle Aussichten auf den Berg und das gesamte Umland und wurden immer wieder von den witzigen und zahlreich vertretenden Vikunas besucht.

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Guck mal wie ein Lama:
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Morgens im Schnee auf 4800m frieren, abends im Meer Abkühlung suchen – das geht in Ecuador. Dazwischen liegen nur ein paar wenige hundert  Kilometer, die wenn man die Berge erstmal verlassen hat auch recht zügig abgerissen werden können.
Der Klima und Höhenwechsel half beim Erholen und wir machten uns bereit für die nächste Etappe: Grenze Peru!

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Da der El Nino Peru ziemlich zu schaffen gemacht hat und viele Straßen und Verbindungen zerstört hat, haben wir über die Seite des peruanischen Katastrophenministeriums eine Karte mit der aktuellen Straßensituation heruntergeladen um zumindest einen groben Überblick über die Situation und Möglichkeiten zu bekommen.

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Nach dreieinhalb (in Zahlen 3,5) Stunden warten am Migrationsschalter waren wir in Peru.
Folgen des Unwetters sind überall zu sehen: Sandsäcke vor jedem Gebäude das sich welche leisten konnte. Schlammreste überall und entlang der Straße immer wieder eingestürzte Brücken und Straßen, die auf improvisierten Wegen durch das inzwischen abgetrocknete Flussbett umfahren werden können. Trotz allem kommen wir viel besser voran als gedacht und die Situation wird jede Minute besser, denn überall wird gearbeitet. Man hat das Gefühl, dass keine Erdbaumaschine im Land stillsteht, die Leute sind guter Dinge.

Unser Weg  führt uns weiter durch endlose Wüsten, teilweise noch überflutet. In einem abgetrockneten Teil wollen wir unser Nachtlager aufschlagen, prompt sinkt Optimus Primetime tief ein. Wir stecken mal wieder fest, denn der Boden ist mehr als nur weich. Wir müssen aber nicht lange alleine buddeln, denn gleich halten Einheimische neben uns um uns zu helfen die Karre, die mit der kompletten Achse im Schlamm steckt wieder frei zu kommen.

Obwohl die Wüste weiter hinten viel trockener erscheint und zu Erkundungsfahrten nach DEM perfekten Übernachtunsspot einläd, verzichten wir auf weitere Experimente und campen unweit der Panamericana auf einer letztendlich auch sehr schönen geschotterten Piste.

Ein bisschen corlen muss sein:
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Den Norden Perus verbrachten wir weiter, ein bisschen Strecke machend. Die Wüstenlandschaft hört nicht auf und inmitten von einem sehr sandigem Teil liegt der kleine Ort Puerto Chicama. Bekannt nur für eins: Die längste Welle der Welt!

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Tim

Hohe Wellen, Donauwellen, Kardanwellen und Pizza

„Holländer haben keine Esskultur. Vor allem der Käse ist schrecklich“

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Murphy: Eins vorweg: Holländischer Käse ist geil. Mit den besten norddeutschen Grüßen von der quitorianischen Waterkant verließen wir Quito Richtung Küste (Spanisch: Costa). Wir wussten, dass wir die Strecke auf zwei Tage aufteilen mussten und suchten uns einen Campspot mit unserer Overlander-App aus. Ungefähr eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang erreichten wir eine große Grasfläche vor einem Poolkomplex. Unser Fernlicht geht nun nur noch wenn man es dauerhaft festhält. Wir fragten um eine Camperlaubnis und lernten vier, fünf sehr nette Ecuadorianer im Alter von 40-60 kennen. Sie verbrachten ihren Samstagabend damit Zuckerrohrschnaps zu trinken und den Poolbereich zu warten(?) oder zu bewachen. Einer der Ecuadorianer war sehr betrunken und erpicht darauf englisch zu reden. Mehr als „I speeky Spanish“, „friends three“ und „welcome ecuador“ brachte er aber aufgrund seines Alkoholpegels nicht zustande. Er weigerte sich jedoch Spanisch zu reden… wäre einfacher gewesen. Wir tranken mit den Männern Schnaps und hatten eine skurrile aber auch unterhaltsame Zeit.

Tim: Unser Ziel an der Küste hieß Mompiche. Wer dem Blog aufmerksam folgt, dem ist sicher aufgefallen, dass Surfen schon ein paar Wochen und Pazifikküste noch viel länger her ist. Höchste Zeit also für Wellen, Strand, Salzwasserhaare, Almuerzos und frisch gepresste Säfte.
Auf der Treibsand-Auffahrt eines Hostels konnten wir für kleines Geld campen und schon nach sehr kurzer Zeit waren die örtlichen Hunde und Katzen unsere besten Freunde. Beim Schließen des Autos musste von nun an immer darauf geachtet werden, nicht aus Versehen eine Katze einzusperren. Die Küste von Mompiche bot recht kleine aber saubere Wellen, ideal zum Üben und wieder-Reinkommen und für Murphy als erste Surfstunde geradezu perfekt. Aber über seine ersten Erfahrungen berichtet er am besten selbst:


Murphy: Genau. Surfen macht viel Spaß. Körperlich, wenn man will bzw. motiviert ist, sehr anstrengend und extrem befriedigend wenn man etwas Neues gelernt hat. Für mich war dann die erste gut erwischte Welle und das erste Mal gut-Aufspringen besonders belohnend. Die Wellen waren im Vergleich zu unserem zweiten Surfspot sehr human und der Adrenalinausstoß war noch sehr gering. Beim zweiten Spot hatte man vor den zwei Meter hohen und zahlreichen Wellen als Anfänger schon viel mehr Respekt. Dafür waren sie zahlreicher und man muss sich ja auch irgendwie steigern. Also jedem zu empfehlen! Der Ort war sehr angenehm von den Temperaturen, nachts konnte man im Stuhl, auf dem Sand oder in der Hängematte schlafen. Jede der vier Nächte hatte unser Hund bloß einen Tick und hat mich aus dem Nichts angeschlabbert und wollte bei mir pennen. Als ich ihn wegschob, fiepte er immer sehr weinerlich. Jede Nacht ein Mal 😀 Neben dem schönen Sandstrand gab es auch noch eine etwas bewachsenere Küste, die ich einen Tag erkundete.




Barfuß war das Lavagestein absolut schmerzhaft, aber ich wurde mit ein paar schönen Riffen, waghalsigen Surfern und irgendwelchen Vögeln belohnt. Ich hatte gehört , dass es in Ecuador blaufüßige Vögel gibt, die ich suchte, konnte aber auf der Entfernung nur Gefieder ausmachen.

Der zweite Spot lag weiter südlich an der Küste und unser Weg dorthin war ein wenig abenteuerlich. Wir fuhren zu einem Spot vor einem, von einem Deutschen betriebenen Restaurant „Beim Meier“, entschieden uns dann aber doch 50 Meter weiter hinter einer Brücke in einen Weg zu fahren. Nach 100 Metern waren wir außer Sicht, die Bodenverhältnisse super und wir schlugen in der Dämmerung unser Lager auf. Es gab Tortillas mit Queso Crema, Frühlingszwiebeln und Tomaten für Tim, Tortillas mit Sardellen und Chips für Nico und kribbelnde Füße für mich 😀 Tim war so nett, mir eine Insektenpause zu gönnen und tauschte seinen Schlafplatz (er hat es mir sowieso jeden Tag angeboten!) gegen unser Zelt und testete es neben unserem Auto. Wir schliefen bei sehr warmen Temperaturen und freuten uns als es endlich nachts anfing durch einen starken Gewitterregen abzukühlen! Regen ist toll!

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Tom: Ja ich im Zelt! Erster Eindruck dazu: Gut. Schnell aufzubauen, diesmal sogar Zeltstangen mit dabei, leicht und trotzdem zweihäutig. Gut, dass Murphy mich überzeugt hat, nicht das allerbilligste zu kaufen.
Blitze erhellten den Himmel und warfen gruselige Ragnarök-Schatten an die Zeltwände, Donnerschläge so laut wie Kanonen, die an einem Morgen sicher die letzten Langschläfer aus den Federn geholt hätten. Und ja, Regen… Als ich irgendwann aufwachte schwamm alles um mich herum, der Zeltboden verhinderte, dass Wasser ins Zelt gelangen konnte, aber alles um meine Isomatte war wie ein Wasserbett. Da fiel es mir ein, wir campten in einem trockenen Flussbett und der Regen sorgte dafür, dass dieser Ort heute Nacht seiner eigentlichen Bestimmung zurückgeführt wurde.
Also raus. Meine Schuhe schwammen schon 3 m Flussabwärts. Das Zelt stand tatsächlich mittig im Fluss. Fix Murphy Nico geweckt, grob zusammen gepackt und Motor an, wir mussten hier weg.
Ein paar Meter Flussaufwärts gingen dank steinigem Boden noch ganz gut, aber in einer Kurve des Flusses, wo der Boden sehr schnell, sehr weich wurde fingen die Hinterräder schnell an zu graben. Mit Sandblechen retteten wir das Auto noch auf eine kleine Insel/trockene Stelle, aber es war ausgeschlossen, dass wir hier heute Nacht noch die völlig aufgeweichte Böschung zum Weg hinaufkommen würden. Ein paar Stunden Restschlaf mit der Hoffnung auf einen baldigen Wetterumschlag war der Plan.

Murphy: Da ich davon ausging, dass Tim zum Autosteuern und uns befreien ausgeschlafener sein musste als ich, bekam er seinen Schlafplatz zurück und ich schlief aus Faulheit auf dem Beifahrersitz. Während die anderen noch träumten, stand ich um kurz nach 6 auf und begann Steine zu sammeln um unsere Flucht aus den Flussbett zu erleichtern. Wenig später fingen wir nach einem kurzen Frühstück an, das Auto um 90 Grad zu drehen. Durch seitliches Schieben und Ziehen ging es fast schon leichter als durch vor- und zurückfahren im matschigen Fluss. Der Grund war absolut schleimig und der Teil der nicht nass war, war purer Ton. Nach zwei Stunden hatten wir das Auto gedreht. Nun hieß es in der Kurve des Flusses herauszufahren und auf eine Anhöhe zu kommen, die ca. 50 cm als der Fluss war. Problem: Am Punkt mit der meisten benötigten Kraftübertragung von den Hinterrädern, war der Fluss auch am matschigsten. Wir stauten den langsam trockener werdenden Fluss und nahmen Anlauf, sodass wir es im zweiten Versuch schafften auf das Plateau zu kommen. So nach ca. 3 weiteren Stunden… Leider waren wir mit dem rechten Teil des Fahrzeugs in eine ausgewaschene Spur gerutscht, sodass wir es mit aller Anstrengung nicht schafften weiterzukommen. Nach insgesamt 9 (in Worten: „neun“) Stunden holten wir (aus Angst vor mehr Regen und Resignation) aus dem Ort Hilfe und 6 Männer buddelten mit viel Motivation und Spaß große Steine in unsere Spur und wir schoben das Auto gemeinsam über den kritischen Punkt. 15min später waren wir wieder auf Asphalt. Danke!

 

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Jim: Resultat der Aktion: völlig verbogene Sandbleche und ein ziemlich vernichteter Hinterreifen. Völlig Matschig, körperlich fertig aber Glücklich gönnten wir uns köstliche Pizza, deutsches Gulasch und Bier beim Berliner Aussteiger „Meier“ und verbrachten dort auch gleich die Nacht.
Am nächsten Tag erreichten wir endlich unser eigentliches Ziel: einen weiteren Surfort. Das Rennen machte Puerto Cayo ein ruhiger, touristisch noch nicht allzu erschlossener Ort mit aggressiven Wellen. Im „Jardin Suiza“ (Schweizer Garten) konnten wir campen und die überaus luxuriöse Küche (es gab einen Ofen!!!!!) benutzen. Samuel ist vor 8 Jahren hierher ausgewandert und hat den Ort zu einem kleinen Paradies gemacht indem wir uns sofort wohl fühlten.

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Murphy: Wir haben richtig viel Bier getrunken.

Tin: Neben sehr interessanten Gesprächen mit unserem Gastgeber, der schon 80 Länder, aber nicht Österreich bereist hat, führten wir auch eine große Inventur und Reinigung des Autos durch. Unglaublich was wieder auftaucht und unglaublich wie viel Zeug wir dabei haben…

Hier trennten sich auch Nicos und meine Wege. Schon länger hatte Nico überlegt auf Äquatorhöhe auszusteigen und sich damit die bevorstehende Höhe und Kälte der Südhalbkugel zu ersparen. Als sich dann Murphy als neuer Sidekick fand. Passte diese Lösung für alle sehr gut. Nicos Ziel heißt zurück nach Mexico nach Puerto Escondito und Murphy und ich fahren zurück in die Anden.
Wir haben in den letzten 7 Monaten 10 Länder bereist, 20 000km mit Optimus Primetime zurück gelegt und eine fantastische Zeit gehabt. Einiges steht hier im Blog, andere Storys erzählen wir euch lieber face to face und manche Geschichten bleiben unter uns 😉 Fazit, wir haben es durchgezogen, die Reise nach dem Bachelor, über die wir seit 5 Jahren geredet haben. Fettes Danke an dich Nico, es war grandios 

USA im August 16:

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Ecuador im März 17:

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Buscamos un cilindro de gas…

„Sie haben da eine Lücke in Ihrem Lebenslauf“ – „Ja, war geil!“

Die letzen Wochen in Kolumbien, verbrachten wir im Süden, welcher sich aufgrund der Höhe und des Wetters ganz anders anfühlte. Kolumbien wird im Lonely Planet mit den Worten, Landschaft. Kaffee. Outdoor., beschrieben. Was sich auf dem Papier, wie das Paradies auf Erden anhört, (ein Kaffeetrinkpartner sei hierbei mal vorausgesetzt) können wir mittlerweile aus eigener Erfahrung bestätigen. Kolumbien hat sich zu einem grandiosen, vielfältigen und seit einigen Jahren extrem beliebten Reiseland entwickelt.

Da Murphy noch nicht wie Nico und ich durch Chiapas, Yukatan und Guatemala gereist, und zwangsläufig SEHR viele alte Steine gesehen hat, machten wir einen Stop in San Augustin, wo viele Gräber und sehr eindrucksvolle Inka-Skulpturen ausgestellt sind. Den X-höchsten Wasserfall gab’s von einer etwas sketchy geschweißten Plattform (fast) gratis mit dazu.

Nachdem wir die Anden nach der Zona Cafeteira bereits auf Asphalt überquert hatten, wagten wir uns von der Stadt Mocoa an die zweite Querung, diesmal auf Schotterpiste in Richtung Westen. Die Strecke war Landschaftlich, trotz der Wolken, wunderschön und schlängelte sich, zügig an Höhe gewinnend, durch den Nebelwald. Immer wieder mussten kleine Flüsse durchquert werden und diverse (reparierte) Erdrutsche zeugten von den Gefahren, die das Wetter auf dieser Strecke bieten kann. Wenn man für 40 km schon fast 6 Stunden gebraucht hat, es dunkel zu werden droht und man sich eh in einer wunderschönen Gegend befindet, dann ist eine Pause mit Nachtlager quasi Pflicht. So fanden wir etwas abseits der eh wenig befahrenen Straße ein nettes Plätzchen in einem  schon halb verschüttetem Steinbruch.
Murphy, der Verrückte, hielt es noch für eine gute Idee, auf 2500 m Höhe sein Trainingsprogramm aus 84 Klimmzügen und wasweisich wie vielen Liegestützen, durchzuziehen… kurz darauf zwang uns die Kälte zu einem frühen Ende des Abends.

Am See „Laguna de la Cocha“, gönnten wir uns eine kleine Pause und konnten vor dem Familienrestaurant „Jardin de Lago“, campen und köstlichen gebratenen Fisch essen. Hier trafen wir auch auf Anja und Tobi, unterwegs in einem T3 Syncro von Süd nach Nord. Wir tauschten Reiseerfahrungen aus und ich konnte ein bisschen meinen über-Busse-reden – Bedarf stillen.

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Unser nächstes Ziel und zugleich letzte Station in Kolumbien war der Vulkan Azufral, mit seinen 4008 m Höhe ist er nichts Besonderes in den Anden, bemerkenswert ist allerdings sein vom Schwefel grün gefärbter Kratersee.
Der Aufstieg bei leichtem Regen war nicht besonders anspruchsvoll, nicht zuletzt, da wir mit dem Auto im Basecamp auf 3500 m gecampt hatten. Für Kraterrand und Gipfel, zeigte sich tatsächlich ganz kurz die Sonne, unten beim See (stinkt tatsächlich so wie man es erwartet) und beim Abstieg gesellte sich leider immer stärkerer Regen dazu. Dennoch, schöne Tour! Macht Lust auf mehr Berge!

Die Grenze Kolumbien – Ecuador gestaltete sich als sehr unkompliziert, wenn das in Südamerika so weitergeht – gerne!
Erster Eindruck vom Land: Es gibt weiterhin unsere beliebten „Comida del dia“, komplettes Mittagsmenü für um die 3 Euro, Sprit ist brutal billig, 38 cent/Liter Benzin und die Poncho-Dichte steigt!
Auf dem von deutschen Aussteigern geführtem Campingplatz „Finca Sommerwind“, trafen wir auf viele andere Overlander, genossen die erste warme Dusche seit (ich glaube) San Jose, Costa Rica und erledigten ein paar Dinge, wie Auto aufräumen, Vorderachswartung, Bewerbungen und Internetkram. Auf dem weiteren Weg nach Süden besuchten wir noch den Kunsthandwerkermarkt von Otavolo und kauften ein paar Dinge. Was genau, wird in den kommenden Blog Beiträgen verraten, stay tuned!

Erfolgreiche Überquerung des Äquators, ein weiterer Meilenstein!

Inzwischen sind wir in Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt, angekommen und campen bei Gerd, einem weiteren deutschen Aussteiger (mal sehen wie viele wir noch treffen). In Quito waren wir auf der Suche nach einer neuen Gasflasche (same old story) auf einem genialen Kruscht-Krimskramsmarkt. Es gab zwar nicht was wir suchten, aber an jeder Ecke wurde geschweißt, gelötet und gefeilt und mit einfachsten Mitteln Dinge optimiert und angepasst. Ich kam mir ein bisschen vor wie ein Hund, der andere Hunde beim Spielen beobachtet und nicht mitspielen darf…

Tim

Arrurruuu….

„der Haufen muss richtig lecker sein!“

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Nach vier Tagen Klettern in Suesca ging es in die Haupstadt Kolumbiens. Unser Camp wurde aus Platzmangel und Sicherheitsgründen ein 24-Stunden-Parkplatz. Abends ging es dann durch die Stadt und in eine Salsabar. Beeindruckt von den Tanzskills der Südamerikaner zogen wir weiter zu einem Platz an dem viele Studenten abhingen und Bier tranken. Die Versammlung wurde nach wenigen Minuten von der Polizei aufgelöst, jedoch schafften wir es eine Einladung zu einer Hausparty zu ergattern. Die Party war ganz nett und wir kamen mit einigen wenn auch eher jungen KolumbianerInnen ins Gepräch. Danach zogen wir als komplette Partygemeinschaft durch das Viertel in der Nähe der Universidad de los Andes.  Nach mehreren Zerspaltungen der Gruppe durch Polizisten oder Langsamkeit kamen wir in einer Salsabar an. Dort wurde sehr viel getanzt und wer nicht tanzte wurde direkt eindringlich ausgefragt, warum man nicht tanzte und ob man einen gleichgeschlechtrigen Tanzpartner suche. Die tanzbegeisterten Kolumbianer treffen auf die eher tanzfaulen Deutschen – herrlich. Auf dem 300 Meter Rückweg wurden Murphy und ich noch von einem kleinen Mann mit Brotmesser an einer Hauptstraße ausgeraubt, den wir ohne Zögern unsere 10.000 Pesos in die Hand drückten. Manchmal sind 3,30€ halt keine Stichverletzung wert. Den nächsten Tag investierten wir in durch die Stadt schlendern, Bälle essen und extrem viel Regen ausgesetzt sein. In Bogotá regnet es einfach immer.

Nach zwei Tagen Großstadtdschungel ging es Richtung Medellín, jedoch mit mehreren Zwischenstopps. Nach langem Geschlängel durch Berge und über Bergkämme erreichten wir eine schöne Ebene an einem Fluss, an dem abends die Raftingmänner abgeholt werden. Wir schwammen und stählten unsere Körper. In der Nacht wurde unser Lager von zu neugierigen Kühen heimgesucht, die ihren Kopf in das Auto steckten und Nicos Premium Flip-Flops anknabberten.

Station zwei des Medellín-Transits war Guatapé, wo wir den vollen Narcos-Tourismus mitnahmen. Guatapé liegt an einem durch einen Staudamm künstlich kreierten Seengebiet, welches von oben ein bisschen Skandinavischen Flair mitbringt. Dort spendeten wir einen vollen Tag für Krieg. Wir nahmen am „Pablo Escobar Paintball“ teil. Zuerst wurde unsere doch recht große Gruppe von ca. 30 Leuten (Eigentlich alles Europäer oder Ozeanier) mit brave little Jeeps abgeholt. Murphy, Nico und ich kletterten sofort auf ein Dach und genossen die 20-minütige Fahrt. Für die anderen war es auf den Metallstreben der Dachkonstruktion sehr backenbelastend, während ich mein Gesäß auf einem gemütlichen Ersatzreifen ausruhte. Ich bin der König der Welt!

Am Ziel angekommen, wurden wir von unserem verrückten Guide durch die Wohnanlage geführt. Die Hacienda war eines der vielen Häuser vom Drogenbaron Pablo Escobar. Der Großteil davon wurde von den „Los Peppes“ niedergebrannt. Einer inoffiziellen Bewegung gegen Escobar. Bestehend aus Militär, Paramilitär und anderen Drogenhändlern. Ob Pablo Escobar nun wirklich sehr viel Zeit in dieser einen Hacienda (er hatte viele) verbracht hat, wurde uns nicht gesagt. Nach den Kulturs gab es dann Krieg. Kugeln links, Kugeln rechts, Infight und vieles mehr. Unser Team vernichtete die Gegner und schaffte es Pablo erfolgreich zu verteidigen. Nico war unter den Feinden gefürchtet und wurde von den Verbündeten bewundert.

Danach ging es mit einem Boot, lauter Partymusik und einem hübschen Mädchen aus Neuseeland für Murphy zum größten Monolithen der Welt, nach dem Eiersrock und irgendeinem Stein in Brasilien. Über 725 Stufen ging es hinauf und wir genossen die Aussicht.

Am zweiten Tag liehen Nico und ich uns zwei 125Ccm Rösser aus Motorräder. Murphy nahm aus sportlichen und anderen Gründen (Hallo Murphys Mama) die unmotorisierte Variante in Form eines Mountainbikes. Wir fuhren eine 25km lange Bergstraße hinab. 1.000 Höhenmeter bergab rasten wir dahin und der Wind flatterte an unseren Ohren. Murphy, der verrückte Pistenteufel war auf seinem Fahrrad nahezu genauso schnell wie wir, sodass wir die Pause zusammen an einem Fluss verbringen konnten. Während Murphy in die nächste Stadt weiterfuhr um einen Bus zurückzunehmen fuhren Nico und ich zu einem Wasserfall, den wir nicht fanden. Bergauf war das Motorrad fahren noch besser. Mehrere Zündaussetzer ab 7.000 Umdrehungen ließen mein Offroadherz erglühen. Abends ging es dann weiter Richtung Medellín. Eine kurze Fahrt von 1,5 Stunden.

Medellín ist mit 3,4 Mio. Einwohner zwar kleiner als Bogotá, durch die kleinen flachen Häuser, die sich die Hänge der anliegenden Berge hinaufziehen wirkt es aber nicht unbedingt kleiner. Zu Zeiten von Pablo Escobar war Medellín die tödlichste Stadt der Welt. Heutzutage ist die Stadt weitaus sicherer, wobei man trotzdem als Tourist in bestimmten Vierteln bleiben sollte. Wir nahmen als Campplatz ein teures Parkhaus und erkundeten das „Partyviertel“ Poblado, welches doch ein wenig zu hipp und modern war. Am nächsten Morgen wurden wir vom neuen Parkhausmann verscheucht und wir entschieden uns keine weitere Nacht zu bleiben. Den Tag verbrachten wir damit, mit Kolumbiens einziger Metro in den Norden der Stadt zu fahren und dann mit der Seilbahn, die ebenfalls zum ÖPNV gehört, die Berghänge hinauf zu kommen. Von oben genossen wir den schönen Ausblick.

Nächstes Ziel: Zona de Cefetera. Kaffeefelder weit und breit und der Geruch von Kaffee war tatsächlich auf der Straße zu riechen. Wir fuhren etwas von der Hauptverkehrsroute hinunter in den Nationalpark „Valle de Cocora“. Zwei Tage verbrachten wir dort im Land der Wachspalmen und Nebelwälder. Murphys Höhenrekord wurde gebrochen und wir mussten Nico zurückhalten nicht noch höher zu wandern – dieser Wandersuchti. Das Gebiet war von kleinen Flüssen und Indiana Jones Brücken durchzogen. Abenteuer pur.

 

Da wir Murphy den Sinn eines Moskitonetzes näher bringen wollten, sind wir an einen sehr breiten und langsam fließenden Fluss auf geringer Höhe gefahren. Die beiden haben dann draußen trainiert. Resultat Murphy: ca. 500 kleine Stiche; Nico: 200 größere Stiche. Ich habe mich sofort in lange Leinentücher gehüllt und war sicher. Die nächsten Tage sollten für die beiden mit viel Jucken und Kratzen verbunden sein, während ich schadenfroh lächelte.

Dann waren wir noch in einer Wüste – Desierto de Tacatoa. Sand, Kakteen, gebährende Ziegen und weniger Sonne als erwartet, machten die Wüstenregion zu einer sehr angenehmen Erfahrung. Wir sind nun die Patenonkel von den drei kleinen Ziegen, welche vorgestern unter den Augen ihres Schutzpatron Murphy das Licht der Welt erblickten.

Euer, wer hat’s gemerkt? Murphy!

Get out of my Dreams and into my Car

„Richard hat keine cochones“

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Nachdem Nico mit Bravour seinen Advanced, Tauchschein bestanden und wir uns mit schwerem Herzen von den köstlichen frittierten Bällen verabschieden konnten machten wir uns auf den Weg ins südliche Zentrum von Kolumbien. Leider vergaßen wir beim Hostel unser Altöl vom Ölwechsel den dort erledigt hatte, sowie die Rückgabe des Türschlüssels… Gutes Benehmen ist etwas anderes, Schande über unser Haupt.

Die Straßen in Kolumbien sind im Vergleich mit Zentralamerika in erstaunlich gutem Zustand. Das sollten sie auch sein, denn mindestens alle 50 km wartet eine Mautstation, die ein paar tausend Pesos abgedrückt haben möchte. Im Vergleich  mit dem sonstigen Preisniveau im Land, echt teuer!

In unserem Ziel San Gil angekommen, stellte sich heraus, dass die Koordinaten zum Klettergebiet falsch waren und der gesuchte Canyon, 80 Bergstraßenkilometer vor San Gil liegt. Schade, hätten wir das gewusst, wäre an dem Tag noch klettern drin gewesen, so ging der Rest des Tages für die Tour zurück dorthin drauf…
Am nächsten Tag ging es dann aber endlich an den Fels. Eine wunderschöne rote Felswand, an der oberen Kante des Canyons. Über 200 geschraubte Routen und das Beste, ab 11 Uhr mittags, lag die ganze Wand im Schatten!

Am nächsten Tag wurde aus dem geplanten Klettern leider nichts, da das örtliche Hostel, erfolgreich versucht ein Monopol für seine Gäste auf die Felsen zu bekommen. Wir haben viel diskutiert und uns Erklärungen von nicht-kompromisbereiten Menschen angehört, bevor wir uns aus Prinzip auf den Weg machten. Zum klettern genial, leider absolut nicht fair den Einheimischen, gegenüber auf dessen Grundstück wir campten, unser Gastgeber Mono, war zurecht ziemlich wütend auf die Betreiber des Hostels. Mangos zum Abschied für uns gab es trotzdem – netter Kerl, vielleicht gewinnt er den Kampf um den Fels ja doch.

Um nicht zum 3. Mal Maut auf gleicher Strecke zahlen zu müssen beschlossen wir eine noch kleine Bergstraße zurück nach San Gil zu nehmen. Bereits nach kurzer Zeit wurde diese ziemlich offroadig und bestand irgendwann nurnoch aus Staub. Grauer Staub, roter Staub, schwarzer Staub, brauner Staub und dazu grandiose Aussichten über die Berglandschaft.

Nach 15 km und einer guten Stunde Fahrt trafen wir auf einen Fluss. Es gab weder Furt noch Brücke, dafür aber eine Art Floß einer Minenfirma, welches am anderen Ufer lag. Nachdem wir uns mit den beiden Arbeitern ein bisschen brüllend über den Fluss verständigt hatten ohne dabei ein Wort zu verstehen kam ein mit Steinen beladener LKW auf der Floßseite den Berg hinunter gefahren. Gut, dachten wir uns, das Floß bringt ihn rüber und kann uns mit zurück nehmen. Leider hatten sie es beim  Beladen des Trucks etwas zu gut gemeint und als dieser auf die schwimmende Plattform fuhr, setzte er diese irgendwie ziemlich gut auf dem Grund oder am Ufer fest. Zumindest ging erstmal garnichts mehr.
Während drüben einige unerfolgreiche Versuche liefen, das Floß wieder los zu bekommen, kamen einige Einheimische zu uns, die uns nach kurzem Gespräch davon abrieten ohne Allrad die Strecke nach San Gil weiter zu fahren.  Da sich beim Floß immer noch nichts tat, nahmen wir den Rat an und schluckten die bittere Pille, dass wir nun einen noch viel größeren Umweg vor uns hatten.

San Gil, das aufkeimende Adventure Zentrum Kolumbiens hielt für uns einen Rafting Trip bereit. Stromschnellen bis zu Klasse 5 (6 bedeut Grenze der Befahrbarkeit)
Am Fluss angekommen, gab es eine 30 minutige Sicherheitseinweisung, was wir in jeder Erdenklichen Situation tun sollen. Auf den ersten  noch ruhigen Metern im Fluss wurden dann alle diese Situationen einmal durchgespielt, Paddelkommandos trainiert und über-Board Fallen und Retten geübt. Dann waren wir bereit für den Fluss, auf dem wir gut unterhalten und Adrenalin geladen die nächsten zwei Stunden verbringen sollten!

Von San Gil fuhren Nico und ich weiter nach Süden bis zur (höchstgelegenen Hauptstadt der Welt) Bogota. Dort hatten wir vor uns mit B.Eng Murphy zu treffen, bekannt aus Abenteuern wie www.schweden13.blogsport.de oder www.albanien16.wordpress.de .
Zum Glück lief das Treffen viel besser als in Hamburg und wir konnten, jetzt zu dritt zu unserer nächsten Kletter- Destination Suesca fahren.
Hier bot sich uns neben angenehm, ungewohnt kühlem Bergklima eine weitere gigantisch lange Felswand mit genügend Routen zum austoben.

Diesmal sogar mit bewegten Bildern:


Inzwischen sind wir seit vier Tagen in Suesca. Klettern läuft Prima, wir campen neben dem Freund aus Stahl und die örtliche Hundegang, bestehen aus Herr Mayor, Hundegesichtshund, Hundekrümel und Kletterdog sind unsere guten Freunde.

 

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Beach Life!

„blub“

Nachdem wir den für uns ehr ungewohnten Luxus eines festen Daches, WiFi, Backofen, Dusche und Waschmaschine für einen weiteren Tag bei Kathi genossen haben, fuhren wir von Baranquilla weiter entlang der Küste. Nördlich des Nationalparks Tayrona, welcher ausgerechnet diesen Monat geschlossen ist (damn it!) hatten wir uns wieder mit Caro und Stefan verabredet.
Der nur über iOverlander als Treffpunkt ausgesuchte Spot enpuppte sich als absoluter Traum. Freies Camping unter Palmen, direkt am Meer und weit und breit nichts außer Kokosnüssen, Wind und Wellen. Ziemlich schnell war uns allen klar, hier bleiben wir etwas länger. Super Surf, direkt vor der Bustür, eine coole Truppe zum Kaffeetinken, Wizzard und Pokerspielen, ein unendlicher Vorrat an gratis Kokosnüssen – living the good life!

Irgendwann nach 3 Tagen, kam dann leider die Polizei und erklärte uns freundlich, dass man hier, so nah am Wasser leider nicht mit dem Auto stehen dürfe. Also neue Stellplatzsuche, eingedeckt mit frischem Wasser, Fisch und anderen Vorräten fanden wir einen neuen Spot, nicht am Meer aber etwas Flussaufwärts. Der Plan war, auf unseren Surfboards einfach den Fluss bis zum Meer und damit bis zu den Wellen entlang zu paddeln und dort zu surfen. Hat auch ganz gut funktioniert, mit dem Harken, dass der Fluss zum Ende fast alles an Strömung verlor und sehr warm und sumpfig wurde. Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit am Strand ankamen und auf nicht übersehbare Krokodilwarnschilder trafen, verstanden wir plötzlich, warum der Fluss so „schön“ einsam und unbebaut war…
Naja wir habens überlebt, auch wenn der Besitzer des angrenzenden Hotels uns für total verrückt erklärte. Den Weg zurück zum Camp wählten wir dann auch aufgrund der einsetzenden Dunkelheit entlang der Straße.

Für unser letztes gemeinsames Essen, hatten wir uns im angrenzenden Dorf für unglaublich wenig Geld vier Fische gekauft. Der größte, (Faust) wurde schon Mittags zu einer sehr leckeren Suppe, die anderen drei, bei denen wir bei der Namensgebung nicht kreativ genug waren wurden abends über dem Feuer zusammen mit Gemüsebomben gebraten. Ein echter Gaumenschmauß und besonders für mich eine neu erlernte Fähigkeit – Fisch essen 🙂

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Aktuell sind Nico und ich in Taganga einer kleinen Bucht in der Nähe von Santa Marta. Nico macht hier seinen Advanced-Tauchschein. Natürlich sind wir in der Tauchschule, vor der wir auch campen können direkt über Julian und Felix, die wir in Baranqilla getroffen haben gestolpert. Welt-Kolumbien-Dorf und so.

Bis bald

Tim