Beaucheff

„I hear her voice in the morning hour she called me, the radio reminds me of my home far away. I’m driving down the roads, I get a feeling that I should have been home yesterday…”

Teil 2 von Chile, einem Land in dem man durchaus mehr machen kann als nur sehr lange in eine Richtung fahren.

IMG_5782

Entlang der Küste besichtigten wir nahe der Stadt Copiapó die Mina San Jose, welche durch die 33 Bergleute, welche nach 2 Monaten Verschüttung lebend gerettet werden konnte berühmt geworden ist. Das chilenische Wunder von Lengede nennt sich: „ Los 33“.

Durch einsame Wüste passierten wir weitere Minengebiete auf unserem Weg zum Nationalpark Nevado Tres Cruzes nahe der Argentinischen Grenze. Nach unserer Erfahrung auf der Lagunenroute, hätte uns eigentlich klar sein sollen, dass man 1000 Kilometer weiter südlich noch immer, oder erst recht auf Schnee in den Anden treffen sollte… naja wir wollten es trotzdem probieren und wurden mit einer traumhaften Strecke durch einen Canyon belohnt. Hier und da mal eine interessante Stelle, bei der ein Fluss gequert werden musste oder der Weg komplett fehlte, sonst perfekter Lehmboden um zügig voran zu kommen. Doch es ging bergauf. Irgendwann lag mehr Schnee als nur im Schatten, an einer Stelle ging es erst beim zweiten Anlauf durch die Schneewehe. Kurz darauf hörten auch die letzten Spuren auf und vor uns lag gut 50cm tiefe verschneite Bergpiste, tja das wars.

Was soll‘s, trinken wir erst einmal einen Kaffee und verbringen den Tag halt hier. Gegen die Kälte fuhren wir uns beim Wenden nochmal richtig schön fest – 30 min buddeln machen auf jeden Fall warm!

Weiter südlich, starteten wir mehrere Versuche entlang der Küste auf eine der nahem Inseln zu kommen um Humboldt – Pinguine zu sehen, doch leider machte uns immer das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Hier ist jetzt Winter und der Pazifik meist zu wild und garstig um mit einem kleinen Boot rauzufahren.

Künstlerstadt, Valparaiso.

Santiago de Chile, das Ende unserer Tour und der Abschied von Optimus Primetime, wohnliches Zuhause und zuverlässiger Reisegefährte der letzten 10 Monate…

IMG_5873

14 Länder, 32 000 gefahrene Kilometer, 10 Monate: ein unglaublich genialer Trip neigt sich seinem Ende.

Ein weiser Mann hat mir einmal gesagt: „man bereut immer das am meisten, was man nicht gemacht hat!“ Für mich trifft es beim Rückblick auf diese Reise vor allem darauf zu, dieses T-Shit damals in den USA nicht gekauft zu haben… 😉

wp-1498546171363.jpg

 

 

Wir sind dann mal auf dem Weg nach D.

Der Grenzauflauf

„Wir haben mehr Konservendosen als restliche Urlaubstage, Tim!“

IMG_5740

Tim:
Die Einreisebestimmungen von Chile werden laut Berichten diverser Reisender derart konsequent durchgesetzt, dass wir den Abend vorher sicherheitshalber noch ein kleines gefüllte-Pfannkuchen – Restevernichtungsgelage einlegten. Wie sich zeigen sollte, mit gutem Recht, denn an der Grenze am nächsten Tag wurden uns gnadenlos, die verblieben Käse, Tomaten und Eier abgeknöpft. Bei unserem Erscheinen am chilenischen Migrationsschalter, konnten wir auch sogleich einen Beamten mit einer Auflaufform und Käsereibe in einem Nebenzimmer verschwinden sehen. Unsere Vermutung: sobald sich Overlander der Grenze nähern, wird schon mal der Ofen angeworfen, da diese ja meist leckere Zutaten für den Mittags-auflauf mitbringen. Naja, ein paar Liter Milch konnten wir zum Glück schmuggeln, das wäre sonst zu teuer geworden. 🙂

IMG_5594
Chile, das wahrscheinlich letzte Land auf unserer Tour hat das Bestreben bis 2020, ein „erste Welt – Land“ zu werden. Diese Bemühungen zeigten sich bereits kurz hinter der Grenze: obwohl extrem abgelegenes und unbesiedeltes Hochland, wurde die Straße recht schnell zu Asphalt, was in Bolivien doch eher die Seltenheit war. In der ersten großen Stadt, Calama gab es westliche Shoppingzentren mit Fastfood und Supermärkten, die keine Wünsche offen ließen. Da wir den Wechselkurs für chilenische Pesos aber noch nicht kannten, hielten wir uns zurück und besorgten nur die nötigsten Vorräte, bevor es durch die Wüste nach San Pedro de Atacama ging.

Murphy:

Wir schliefen in der Wüste zwischen einem Haufen Luftfilter und Lamaköpfen  was wir zum Glück erst am nächsten Morgen entdeckten. Den nächsten Tag fuhren wir in das kleine schnukelige Wüstendorf San Pedro und erledigten bei Kaffee und Omelett, ohne Kenntnisse des Wechselkurses, Internetarbeit. Der Kurs liegt bei 750 zu 1, sodass wir für einen Euro den Liter tanken können, für einen Kaffee 2 Euro und ein Omelett knapp 5 Euro bezahlten. Alles ein bisschen teurer als in den vorherigen Ländern, aber aushaltbar. Dafür kosten die Sehenswürdigkeiten selbst bei deutschen Sichtverhältnissen sehr viel Geld. Da Mal 15 Euro für Geysire oder 20 Euro für eine Miniversion des toten Meeres mit Wassertemperaturen, die nicht zum Verweilen einladen.

Da das Geysirfeld „El Tatio“, das höchstgelegenste der Welt ist, und höchstgelegenste Sachen unser Ding sind, ließen wir uns diese Attraktion natürlich nicht entgehen. Unser erster Versuch, das auf 4300m liegende Feld zu erreichen wurde leider von der Polizei unterbunden. Zu viel Schnee, zu kalt, zu gefährlich. Wahrscheinlich hatten sie einfach keine Lust, eingefrorene Turis aus dem Gebiet zu befreien. Zusätzlich geht das Gerücht, eines auf der Lagunenroute erfrorenen Overlanders, rum. Wir trafen noch zwei Schweizer und zwei nette Ostfriesen aus Brahmsche (Nähe Osnabrück), die unser Schicksal teilten. Wir schauten uns ihr matschbeschlagenes Auto an und entschieden uns, dem „Rat“ der Polizei zu folgen und eine Nacht vor dem Schneegebiet zu warten. Am nächsten Morgen ging es dann, nachdem wir dem Scrapper etwas Zeit gaben, die Straße zu säubern, Richtung Geysirfeld. Auf wunderschön verschneiten Schneeebenen, umzäunt von Vicunas, erreichten wir gegen späten Mittag den Parkplatz. Da die Geysire aber speziell in der Morgensonne besonders eindrucksvoll sein sollen, beschlossen wir noch den Tag zu vertrödeln um in den vollen Genuss zu kommen. Wir legten also einen Schneetag ein. Wir fuhren wieder auf die Schneeebene und tranken viel Kaffee, fütterten ein Mäuschen mit Parmesankäse und machten Schneekugeln. Wir fuhren uns ein paar Mal fest, da 20-30cm Schnee lagen. Den geheimen Bereich, den niemand kennt, konnten wir wegen des hohen Schnees leider nicht erreichen. Abends fuhren wir wieder auf den Parkplatz und machten uns auf eine kalte Nacht gefasst. Durch die letzten Tage waren wir an nächtliche Minusgrade gewöhnt, aber als kurz nach Sonnenuntergang schon unsere Scheiben gefroren, wussten wir, dass es keine spaßige Nacht werden würde. Naja, um sechs Uhr wird dann aufgestanden, der Motor angeschmissen und der wärmt uns schon…. Dachten wir.  Natürlich, war das Kommende zu 100% ein Resultat unserer eigenen Dummheit. In diesem Gebiet sind Temperaturen von bis zu -30 Grad nicht unbedingt ungewöhnlich und da wir uns am Winteranfang Chiles bewegen, sank die Temperatur dann auch auf, von uns geschätzte, -10 bis -15 Grad ab. Allgemein fühlte sich alles wie auf einer Arktisstation an. Trotzdem kein Grund Frostschutzmittel in sein Kühlwasser zu tun!!! Resultat: Kühlwasser komplett gefroren, sowie eigentlich auch alles Wasser in und um unser Auto herum. Sogar das Frostschutzmittel, welches wir schlauerweise gekauft, aber nicht eingefüllt hatten, war ein einziger grüner Eisblock – anscheinend Scheißzeug. Großes Bangen um unser Auto, viel Frieren und dutzende Touribusse, die an uns zu den Geysiren vorbeifuhren, prägten unseren Morgen. Erst mit der Kraft der aufgehenden Sonne, konnte unser Kühler langsam enteisen und nach ca. zwei Stunden sehr wenig Spaß pustete unser Lüftung warme Luft in unser Auto, das Wasser zirkulierte wieder und der Motor konnte seine Temperatur halten. Riesen Glück gehabt!

Tim:

Nach der Kühlwasseraktion mit mehr Glück als Verstand, konnten wir endlich in Ruhe und ohne Hintergedanken die Geysire besichtigen und genießen, während unser Motor sich warm blubberte. Nach einem ausgiebigem Frühstück mit nicht zu knappem Kaffee waren alle Touristen schon weitergezogen und wir hatten den Ort für uns. Baden in heißen Quellen, Fotos ohne störende Menschen und mein persönliches (H)Eighlight: im 85 Grad heißen Geysirwasser gekochte Eier, gesalzen mit dem Salz aus dem Salar de Uyuni.

Der Weg zurück nach San Pedro war schlammig aber unkompliziert. Mit dem dringenden Bedürfnis nach einer nicht zu kalten Nacht schlugen wir unser Lager an einem einsamen Baum mitten in der Atacama und rund 2000 m tiefer als die Nacht zuvor auf. Das noch vom Schneetag kühle Bier versüßte uns die Abendsonne bei Gitarre und Zwiebelringen.

Südlich von San Pedro besuchten wir noch ein paar Lagunen, bevor wir im Norden des Ortes tief in einen Canyon fuhren um hier einer weitere Nacht zu campieren – wirklich eine ausgesprochen schöne Gegend.

Da der Weg irgendwann und irgendwie weiterführen musste machten wir uns auf in Richtung Küste. Nach dem obligatorischen „Futter und Sprit – Auffüllen“ in Calamar fühlten wir uns nichtmehr nach Kilometerfressen und fuhren südlich der Stadt einfach mal auf gut Glück in die Wüste rein. Neben einem von Spuren durchzogenen Berg, beschlossen wir, gut geschützt zu campen und machten uns mit einem Becher Kaffee bewaffnet an die Erkundung der komplett entlegenen Gegend.
Nachdem wir einige echt tiefe Löcher ohne sichtbares Ende, verrostet Gasmaskenfilter und von Grünspan verfärbten Fels entdeckt hatten, waren wir uns sicher, wir hatten eine verlassene Kupfermine gefunden.

20170607_164533

Murphy:

Die nächsten Tage ging es weiter an der Küste entlang, von Antofagasta bis nun Capiopipi. Dabei sahen wir schöne Strände mit einem wilden Meer und teilweise gigantischen Wellen. Leute im Wasser sahen wir nie, ließen uns davon aber nicht abschrecken. Gestern sprangen wir in das Kühle nass und fanden heraus, dass die Temperatur nicht unbedingt zum Baden einlädt – zum Abkühlen aber allemal ausreichend ist. Die Küste ist von schergratigen Felsformationen durchzogen und hier und dort gibt es kleine Hütten. Vermutlich Fischer oder Algentrockner. Am erwähnenswertesten ist bisher der Küstennationalpark „Pan de Azucar“, der uns mit seinen Wüstendünen auf einer Hochebene, gefolgt von einer schönen Steilküste, sehr verzauberte. Wir blieben länger als geahnt, da uns auch die kleinen Grüntupfer von Kakteen und Büschen ganz gut gefielen. Bis auf San Pedro de Atacama haben wir Chile bisher nur als eine einzige Geröllwüste wahrgenommen – trotzdem sehr schön. Heute sind wir in Capiopipi, etwas landeinwärts, angekommen, füllen unsere Vorräte ein wenig auf, versuchen den guten Optimus unter die Leute zu bringen und werden dann weiter landeinwärts zu einer Mine fahren. Tims Unterwasserbogenschützin ist sehr schwer zu verstehen…

 

Tim und Murphy

Tim: Schreib, dass wir auf einem riesigen Lkw waren!!!!!!

Uiuiui – Uyuni

„Like a band of gypsies we go down the highway“

IMG_5211

Aufgrund der absurden Baustellenregelung, mussten wir die Strecke von Rurrenabaque nach Corico wie schon auf dem Hinweg am Sonntag in eins zurücklegen. Dass uns Samstagnacht mit Starkregen und Gewitter begrüßte ließ nicht gerade Vorfreude auf die rund 300 km unbefestigte Straße aufkommen.
Als es auch am Morgen noch immer regnete, beschlossen Beat und Betty, ein paar Tage abzuwarten und dann in Richtung Norden und Brasilien aufzubrechen. Anita und Dani hatten wie wir nicht die Zeit dafür und so beschlossen wir trotz des Wetters, die Strecke zu wagen.

Im Endeffekt kamen wir viel besser durch als erwartet. Es war eine große Schlammparty und hier und dort gab es frische Erdrutsche, aber selbst die schmalen Stücke am Abgrund, auf denen zur besseren Sicht der Fahrer Linksverkehr herrscht, waren kein Problem. Erschöpft von den rund 11 Stunden Fahrt, campten wir am Anfang der Death Road, bevor es am nächsten Tag nach La Paz ging. Campingplatz, Internet, warme Dusche – musste mal sein 🙂

Hier wurden wir von Anita ein letztes Mal zu einem köstlichen „Nachtessen“ (ein weiteres Wort, welches wir von unseren Schweizer Freunden gelernt haben) eingeladen. Am nächsten Tag fuhren sie in Richtung Peru, während Murphy und ich weiter nach Süden mussten, auf uns wartete der Salar de Uyuni, der größte (und wahrscheinlich auch höchste) Salzsee der Welt.

IMG_5109

Am Rand der kalten Stadt Uyuni kamen wir endlich zu einem meiner persönlichen Highlights auf diesem Trip, dem Eisenbahnfriedhof. Klar, war ich als Kind ein ziemlicher Eisenbahnfreak, aber ich glaube die große Anzahl an rostigen Dampflokomotiven und Wagons aus dem letzten Jahrhundert wirkt auf jeden ein bisschen gespenstisch-faszinierend. Leider wurden fast alle Züge mittlerweile Opfer verschiedener Graffiti – „Künstler“, aber auch mit diesem Makel, hatten wir großen Spaß an der ausgiebigen Erkundung der Anlage. Wieder einmal , waren wir sehr glücklich, auf eigene Faust und nicht mit einem Tour-Anbieter hier zu sein. Die anderen Touristen werden hier für maximal 20 min abgeladen, kurz Fotos machen und dann geht’s weiter mit Rallyegeschwindigkeit über Holperpisten, schließlich muss in 3 Tagen der Uyuni, der Salar und die Lagunenroute „geschafft“ werden…

Auf dem Salar, welcher zu dieser Jahreszeit komplett trocken liegt, fuhren wir am Anfang an der Salzgewinnungsebene und dem Dakar Monument vorbei. Die legendäre Rallye führt seit Westafrika zu gefährlich geworden ist, durch das wilde Grenzgebiet zwischen Bolivien und Argentinien.

IMG_5039

Nach diesem „letzten Posten“ kam erstmal sehr lange nichts. Blendende endlose Weiten, welche einem das Gefühl für Geschwindigkeit und Distanz komplett nehmen. Irgendwo im weißen „Nichts“ schlugen wir unser Nachtlager auf. Die Alpaka-Koteletts wurden Stilgerecht im Salz eingelegt und auch für das Gemüse nutzen wir natürlich den reichlich vorhandenen Rohstoff.

Den nächsten Tag verbrachten wir mit der Erkundung verschiedener Inseln, die es weiter westlich in reichlicher Zahl auf dem Salar gibt. Die einzig erschlossene Isla Inkahuasi bietet einen netten kleinen Wanderpfad durch die Riesenkakteen, kleine Steinhasen mit Eichhörnchenschwänzen und ein paar Infos über den Salar.

Weiter südlich erkundeten wir völlig allein TNA – Insel mit ihrer großen Höhle, bevor wir unser Nachtlager weit im Norden neben einer Namenlosen kleinen Insel aufschlugen.

Nach rund 300 km durchs pure Salz gönnten wir Optimus Primetime eine äußerst gründliche Wäsche, schließlich mögen wir unser „Zuhause“. In Uyuni nochmal Vorräte, Wasser und Sprit aufgefüllt, bevor wir uns auf den Weg zur Lagunen – Route machten. Der sehr entlegene südliche Teil wurde uns nun schon vermehr von anderen Reisenden empfohlen – im gleichen Atmenzug mit  einer Warnung vor den Straßenverhältnissen.

 

Auf der Fahrt über eine Hochebene durch verrückte Felsformationen überholten wir ein Wohnmobil, welches mir irgendwie bekannt vorkam. Klar mit der französischen Familie haben wir zuletzt in Guatemala gecampt und die Grenze nach El Salvador überquert. Nach mehr als einem halben Jahr fahren wir jetzt zufällig die gleiche Strecke zur chilenischen Grenze.

Von ihnen erfuhren wir auch die für uns nicht ganz unerhebliche Information, dass sämtliche Grenzübergänge nach Chile wegen extremen Schnees geschlossen seien. Lediglich bei Ollague sollte man noch durchkommen. Schade. Wir hatten zwar schon einiges über den Schneefall der letzten Tage auf der Lagunenroute gehört, zumindest ich hatte das aber alles nicht so ernst genommen. Nach einigem hin und her überlegen, entschieden wir uns, die Lagunenroute zumindest anzutesten und im schlimmsten Fall einfach zurück nach Norden zur offenen Grenze zu fahren.

IMG_5250

Über übelste Grobschotterpisten und Auswaschungen holperten wir über die Ebene, bis es über ein sandiges Stück Wellblech zur ersten Lagune ging. Trotz des eiskalten Windes schien die Sonne und wir beobachteten die sich am Ufer tummelnden Flamingos. Von einem Guide, der Touristen mit dem Geländewagen hierher bringt, holte ich mir aktuelle Wetterinformationen und erfuhr, dass der gesamte Nationalpark im Süden mit seinen Lagunen wegen Schnees nicht passierbar sei. Selbst meine Hoffnung, wenigstens noch bis zur Laguna Colorada fahren zu können, zerschlug er: selbst mit Allrad kein Durchkommen. Alles klar, der Winter auf der Südhalbkugel hatte uns eingeholt.

 

Wir fuhren bis zur Laguna Honda, dem Punkt an dem es nicht mehr weitergehen sollte und verbrachten eine bitterkalte Nacht auf einer wunderschönen Ebene. Am nächsten Morgen waren sämtliche Wasservorräte zu Eisklötzen gefroren und es brauchte zwei Kannen Kaffee um uns einigermaßen wieder aufzutauen.

Beim Einpacken kam dann noch ein kleiner Fuchs vorbei. Wir fragten ihn, was er dachte und gaben ihm unsere Müsli – Reste. Um es zumindest probiert zu haben, wählten wir eine Spur gerade nach Süden entlang der Bergkette, mussten aber nach einigen Höhenmetern bereits wegen tiefem Schnee umdrehen. An Aufgeben war jedoch noch lange nicht zu denken, denn laut Karte hab es noch diesen anderen Weg um den Vulkan herum. Es ging besser als gedacht und das fahren durch den Schnee machte viel Spaß. Bis auf 4600m kämpften wir uns, bevor die Vernunft uns zum Umkehren bewegte, da die Schneefelder immer tiefer wurden und wir in dieser verlassenen Gegend sicher nicht in irgendeinem Tal stranden wollten.

Die letzte Nacht in Bolivien verbrachten wir etwas windgeschützter im Schatten eines Vulkans, bevor wir am nächsten Tag die Grenze nach Chile überquerten.

Tim

Welcome to the Jungle

„Das Auspüffli“

IMG_4871

Tim:

Da Arequipa letztlich nur eine Stadt wie jede andere und auf unserer Tour eher ein Internet-Wäsche-Dusche-Sachen-regel – Zweckziel war, blieben wir nicht länger als nötig. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, dem Colca-Canyon, Perus tiefster Schlucht, querten wir einen 4900er Pass, bevor wir in der kleinen Stadt Chivay ein köstliches Lomo Saltdo gegessen haben.
Mit obligatorischen Kaffeepausen fuhren wir durch das schöne Canyonland, welches sich bei bestem Sonnenwetter zeigte und von kleinen Terassenfeldern durchzogen war.
Durch den Tipp von Bernd, einem anderen Overlander, mit dem wir in Arequipa gecampt hatten, konnten wir die 70 Soles Touristengebühr für den Nationalpark „umgehen“. Der Wachmann glaubte uns zwar offensichtlich kein Wort, dass wir „nur am Canyon vorbei wollten“, konnte uns aber schlecht das Gegenteil beweisen.
Am Cruz de Condor, schlugen wir unser Nachtlager auf, mit dem Vorhaben hier am nächsten Morgen Kondore zu beobachten. In der Nacht gesellten sich noch Leo und Andy dazu, zwei deutsche Jungs, die mit einem bunt bemalten VW T4 in Richtung Norden unterwegs sind.

Am nächsten Tag schossen wir zusammen 1 bis 1000 Kondorfotos, tranken Kaffee und ließen bei entspanntem Bus- und Reisetalk den Tag verstreichen.
Die Harmonie stimmte und wir verabredeten uns in ein paar Tagen wieder in Bolivien zu treffen um gemeinsam die schwierige Strecke in Richtung Jungle zu fahren.

 

Murphy:

Bis zum Treffen stand für Tim und mich aber noch der Titikakasee auf dem Programm. Der höchste See der Welt! Zuerst besichtigten wir in Puno ein rostiges Kohleschiff mit interessanter Geschichte um dann im Supermarkt ordentlich einzukaufen und somit unsere letzten Soles auszugeben. Dann ließen wir unsere Vorderreifen von Llantas-Toni reparieren. Unser Reifen vorne links verliert täglich Luft und wir hatten keine Lust mehr jeden Morgen den Kompressor anzuschmeißen. Llantas-Toni zeigte uns, die schon geflickten zwei Löcher und zwei weitere. Ob wir diesen Reifen bis Santiago de Chile durchbringen können ist fraglich. Wir campen auf einer Landzunge einer Halbinsel und hatten abends, während unsere Suppe brodelte, ein nettes Gespräch mit dem „Bürgermeister“ und um 5 Uhr morgen klopfte auch noch einmal ein Hirte für einen Guten-morgen-Plausch ans Fenster. Tim aß an diesem Abend das erste Mal bewusst Wirsing.

Am nächsten Tag ging es über die Grenze.

Tim:

Auf der Grenze lief Modern Talking!!!

Murphy:
Es verlief alles recht einfach und nachdem wir am gemeinen Tittitwister-Aduana-Mann vorbeigekommen sind ohne Schmiergeld zu bezahlen, fuhren wir nur wenige Kilometer bis zur Cocacabana Boliviens. Von dort aus ging es am nächsten Tag mit einem Boot auf die Isla de Sol. Einer griechisch anmutenden Insel im Titikakasee. Einen vollen Tag dauerte der Trip, der von viel Sol (Sonne) und schöner Aussicht geprägt war. Am Abend übernachteten wir noch einmal am See, bevor unserer Aufenthalt dort, bis auf eine witzige Fährfahrt, abgeschlossen war.

Tim:

Der erste Straßeneindruck von Bolivien: es wird viel gebaut. So viel, dass die guten 100 Kilometer von der Fähre bis La Paz sich wie eine einzige lange Baustelle anfühlten. Tanken ist auch etwas speziell, da Ausländer offiziell einen deutlich höheren Preis als die Einheimischen zahlen müssen. Da man sowas ja am liebsten umgeht, beginnt jeder Tankversuch mit einer kleinen Diskussion mit dem Tankwart, ob er bereit ist ohne Rechnung zu betanken, oder einen nur leicht höheren Preis akzeptiert. Alles in allem kein Problem, man sollte nur die maximalreichweite nie ausreizen, auf die Gefahr, dass man zur nächsten Tankstelle geschickt wird. Wir kamen dennoch gut voran und erreichten La Paz, die höchstgelegenen Hauptstadt der Welt, die tatsächlich gar nicht Boliviens Hauptstadt ist, gegen Mittag. Einer der üblichen Stops, bei einem Reifenhändler bescherte uns einen weiteres Loch weniger und dann waren wir mit unserem La Paz Programm auch schon vorerst durch, schließlich wollten wir heute noch Leo und Andy auf der Straße des Todes treffen, der höchstgelegenen Todesstraße der Welt.

20170521_175132

Die Straße des Todes, ursprünglich eine der gefährlichsten Straßen der Welt, kamen hier jährlich um die 300 Menschen ums Leben – abgestürzt in den engen Kurven um die Steilhänge. Heute gibt es eine asphaltierte Umgehungsstraße und das Verbindungsstück Yavani – Corico, ist hauptsächlich eine Touristenattraktion und durch den fast komplett umgeleiteten LKW und Busverkehr nicht mehr wirklich gefährlich. Dennoch war es absolut eindrucksvoll, diese berühmte Straße mit dem eigenen Fahrzeug zu befahren. Die Aussichten waren grandios und es ging tatsächlich tödlich steil in den Abgrund hinab.

Von dem bunten Bus war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen trafen wir in einer Fotoprächtigen Kehre auf die Schweizer Bettie und Bert im Toyota Landcruiser und Anita und Dani(el) im Viano 4×4.

Murphy:

Von da an war es einfach nur noch wundervoll. Da sie noch mehr Fotos machen als wir, fuhren wir vor. Doch irgendwie gehörten wir schon zu dem Zeitpunkt zur Gruppe. Wir fuhren gemeinsam in die nächstgelegene Stadt Corico und campen zu sechst in einer schönen Wagenburg neben einer Kirche. Wir wurden direkt zum Essen eingeladen, es gab Bier und tolle Stimmung. In der Nacht feierten Teenager auf dem Heck ihres Pickups eine kleine Party und tanzten zu der Musik, die ihre Eltern ihnen verboten hatten (Dschingis Kahn, Down under, Bicicletta und Men at Work). Genauso wie bei Dirty Dancing. Am nächsten Morgen liehen wir dem bolivianischen Marvin noch Toilettenpapier, bevor sie völlig verstrahlt wegfuhren, damit ihre Eltern nichts merkten.

20170514_071312

Als wir losfuhren, war für unsere neugewonnen Schweizer Freunde schon klar, dass wir die nächsten Kilometer gemeinsam fuhren. Wir wurden in die Mitte der Kolonne genommen, da die Schweizer untereinander in Funkkontakt standen und wir somit schwer verloren gehen konnten. Die Strecke in den Dschungel ist eine 300 km lange Baustelle, die Montag bis Samstag erst ab 17 Uhr bis 2 Uhr nachts befahren werden darf. Da Sonntag war hatten wir Glück, mussten die Strecke aber an einem ganzen Tag schaffen. Wir machten gemeinsam Pausen, achteten gegenseitig dass alle Fahrzeuge alle Streckenabschnitte schafften und hatten eine langen und ermüdenden Fahrtag. Nach knappen 10 Stunden Fahrt kamen wir in Rurrenbaraque an. Der Ausgangspunkt für Dschungel- und Savannentouren. Wieder wurden wir zu Bier und Essen eingeladen und ließen den Abend am Pool und um den Campingtisch ausklingen. Wir lernten uns näher kennen und fanden heraus, dass obwohl wir ihre Kinder sein könnten, wir uns auf einer Wellenlänge befanden. Der nächste Tag war zum Erholen gedacht, doch wir verbrachten ihn mehr damit, durch die kleine Stadt am Fluss in unserer Sechsergruppe zu irren und nach dem richtigen Touranbieter für uns zu suchen. Es gab zwar sehr billige Angebote, die zunächst gut klangen, aber durch den niedrigen Preis wurden wir eher misstrauisch. Im siebten Büro fanden wir endlich ein für uns passendes Angebot. Die sehr professionell wirkende Präsentation der Company Mashaquipe und die anliegende französische Bäckerei mit einer bezaubernden Verkäuferin überzeugten uns und ließen uns doch sehr viel tiefer in die Tasche greifen, als wir gedacht hätten. Wir entschieden uns für eine kombinierte Tour – drei Tage im Dschungel und zwei Tage in den Pampas (Savanne mit Galleriewald). Eins kann ich vorwegnehmen: Jeder Euro war gut angelegt. Die französischen Croissants, der Apfelkuchen und auch die 5 Tage Tour waren ihr Geld vollends wert.

Tim:
Mit unserem Guide Giovanni ging es per Boot in den Madhidi-Nationalpark, vorbei an Goldsuchern, mit einem kurzen Stopp bei einem Indigenen Stamm zum Zuckerrohrpressen, über Stromschnellen Flussaufwärts bis zu unserer Lodge, welche mit einigen offenen Holzhütten sehr gemütlich wirkte. Auf unserer ersten Tour zu Fuß durch den Dschungel, erklärte uns Giovanni einiges über Pflanzen und Tiere des Waldes und glänzte mit seinen Qualitäten als Vogelsprachler. Am nächsten Tag fuhren wir weiter entlang des Flusses, um tiefer im Wald, nur vom Moskitonetz geschützt eine Nacht zu verbringen. Wir bauten unser Camp auf und brachen nach einem köstlichen Mittagessen zu einer mehrstündigen Wanderung auf engsten, teils zugewucherten Pfaden auf. Hier und da entdeckte unser Guide immer wieder extrem gut versteckte Tiere und bewies ein weiteres Mal im Dschungel zuhause zu sein. Als Highlight unserer heutigen Tour erreichten wir obere Kante einer Steilwand, in welcher eine große Anzahl von Ara-Papageien nistet und ihr Zuhause hat. Von hier hatten wir die ideale und ziemlich einzigartige Position, um die großen und farbenprächtigen Vögel von oben im Flug zu beobachten und zu Fotografieren.

 

Nach dem Nachtessen gab es noch eine kleine Nachtwanderung, bevor wir in unsere Betten krabbelten, die gesamte Urwald-Geräuschkulisse ungefiltert, uns umgebend.
Um zurück zu unserer Lodge und der inzwischen nötig gewordenen Dusche zu kommen, zurrten wir mit Giovanni ein paar Palmenstämme zu einem Floß zusammen und schon ging es 7 km den teils recht wilden Fluss hinunter. Dieses Finale unserer Urwaldtour, ließen wir in der Lodge gemeinsam in der Abendsonne ausklingen. Wir waren in den letzten 3 Tagen echt viel im Wald umhergelaufen, hatten viele Tiere gesehen und konnten die beeindruckende und beinahe erschlagende Pflanzenvielfalt bewundern. Und dabei haben wir uns nur in einem winzigen Teil des Nationalsparks, geschweige denn, des Amazonasbeckens bewegt, die Ausmaße dieses gigantischen Waldes und das perfekt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel seiner Bewohner lassen den Menschen klein und unbedeutend wirken und doch ist er in der Lage all das zu bedrohen.  Das tut nämlich aktuell ein chinesisches Staudammprojekt, unterstützt von der bolivianischen Regierung. Es droht Teile des Madhidi-Nationalparks zu fluten und viele der ansässigen indigenen Stämme kämpfen dagegen.

Murphy:

Der Dschungel protzte vor Tieren und Pflanzen. Neben Affen und Vögeln waren es vor Allem die kleinen Tiere, die zahlreich zu entdecken waren. Taranteln, Feuerameisen, Tukane, Spinnen mit goldenen Netzen, kleine Springmäuse, Frösche, Schlangen und die sehr schmerzhaften Bulletants (riesige Ameisen, deren Stiche so starke Schmerzen auslösen, dass man stundenlang nur krampfgeplagt leiden kann) ließen keine Langeweile aufkommen. An einer Stelle wurde ein Wespennest aufgescheucht, da der dazugehörige Ast über den Weg hing. Durch einen schon aufgeschreckten Wespenschwarm (My Girl!!!!) zu rennen macht eher wenig Spaß und der ein oder andere Stich tut noch Tage später weh. Unser Guide fand das alles eher lustig und ich irgendwie auch. Bei einer anderen Wespenart sollte man sich lieber totstellen als davonzulaufen, da man sonst an dem, nach dem Stich eintretenden Fieber sterben kann. Also nochmal Glück gehabt. Das ist auch der Grund warum man am besten wenig querfeldein im Dschungel gehen sollte. Danach ging es zurück in die Stadt, einmal zur französischen Bäckerei und durch eine dreistündige Autofahrt in die Pampas. Über den stark aufgeschwemmten Fluss durch die Savanne. Der Fluss ist von einer schmalen Reihe Bäume und Sträuchern umgeben und danach kommt Grasland. Was sahen wir hier? Daraus machen wir ein kleines Ratespiel und ihr könnt versuchen auf den Bildern alle Tiere zu entdecken. Achja, ich soll noch die pinken Flussdelphine erwähnen, die miteinander spielten und uns mit ihren Atemgeräuschen den Tag versüßten. Man hätte auch mit ihnen schwimmen können, aber das tut diesen Wesen bestimmt auch nicht unbedingt gut, deshalb haben wir es gelassen.

 

Affenmedley!

Das Essen war die ganzen fünf Tage der Oberhammer und wir haben sehr gut geschlemmt. Schön Toll.

Die Blogs unserer Mitreisenden:

http://www.friedli.ch

http://www.uf-und-dervo.ch

Die Werwolfsippe

„du hast keinen Speicherplatz für unsere Freundschaft!“

IMG_3249

In Cusco angekommen, fanden wir Unterschlupf auf dem einzigen Campingplatz in Stadtnähe. Dieser ist bei Overlandern entsprechend beliebt und zusammen mit Franzosen, Holländern und natürlich auch Deutschen verbrachten wir ein paar Tage in der ungewohnt gewordenen Zivilisation. Während neben uns am LKW gebastelt wurde und ich das ein oder andere Auto/Technikgespräch genoss, erledigten wir Internet – Arbeit, Murphy stellte historische Fotos in Cuscos Altstadt nach.

Ein Ziel,  wahrscheinlich das populärste des ganzen Kontinents, lautet Machu Pichu. Erwartungsgemäß maximal touristisch und teuer, dennoch kann man von dieser Tour wohl schlecht ohne das 0815 – Machu Pichu – Foto zurückkommen.
Da wir nicht auf Busse oder den sehr teuren Zug angewiesen sind, fuhren wir mit unserem Auto über 100 km Straße und 40 km Piste zum „Hintereingang“ Machu Pichus, der Eisenbahnstation Hydroelectrica. Früh morgens machten wir uns auf uns und liefen entlang der Schienen, die 12 km bis Aquas Caliente. Hier wurden Tickets kontrolliert und dann ging es weite 1.2 Kilometer steil bergauf bis zu den Ruinen.

Trotz Nebensaison, war es natürlich sehr voll und das eigentliche Dorf sehr überlaufen. Kleine Wanderungen innerhalb der Anlage wie zum Sungate oder der Inkabridge, waren dagegen umso schöner.